Neue Lagerstätte im Süden von Jamal mit geologischen Reserven von 55 Millionen Tonnen Öl, über die „Gazprom (MOEX: GAZP) Neft“ berichtet hat, könnte ein neues Glied im Arctic Cluster des Unternehmens werden. Um das Produktionspotenzial zu klären, sind noch Erkundungsmaßnahmen erforderlich, die bis zu drei Jahre in Anspruch nehmen und Investitionen in Höhe von 10 bis 30 Milliarden Rubel erfordern können. Die Kosten für den Infrastrukturausbau und die Bohrungen werden auf Hunderte von Milliarden Rubel geschätzt.
„Gazprom Neft“ hat ein Lager im Süden von Jamal mit geologischen Reserven von 55 Millionen Tonnen Öl eröffnet, gab das Unternehmen am 11. Februar bekannt.
Das Vorkommen liegt im Bereich der Süd-Novopurtowski und Saletinski Blöcke, die Teil des Cluster des Unternehmens in der Region sind und auch den Terminal „Tor zur Arktis“ in der Ob-Mündung umfassen.
Wie das Unternehmen anmerkt, handelt es sich um das größte Ölfeld, das in den letzten 30 Jahren in Jamal entdeckt wurde. Der Entdeckung ging ein dreijähriger Zyklus geologischer Erkundungsarbeiten voraus, einschließlich seismischer Untersuchungen sowie der Entwicklung geologischer und hydrodynamischer Modelle. Die Überwachung der Bohrungen erfolgte remote aus dem Kontrollzentrum in Tyumen. „Gazprom Neft“ plant, in naher Zukunft zusätzliche Erkundungsmaßnahmen durchzuführen, um das Produktionspotenzial genauer zu bestimmen. Auf weitere Fragen seitens der Presse wurde nicht geantwortet.
Wie Dmitri Kasatkin, Managing Partner von Kasatkin Consulting, berichtet, könnte die zusätzliche Erkundung des Projekts zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen und etwa 10 bis 30 Milliarden Rubel kosten. Für den Infrastrukturausbau und die Bohrungen des Betriebsfonds könnten die Investitionen Hunderte von Milliarden Rubel erreichen, fügte er hinzu. Herr Kasatkin wies darauf hin, dass im Rahmen des Clusters CAPEX optimiert werden kann, indem das Novopurtowski Feld und der Terminal „Tor zur Arktis“ genutzt werden.
Oleg Abelyev, Leiter der Analyseabteilung von „Rikom-Trast“, ist der Ansicht, dass der Projektbetrieb in fünf bis sechs Jahren auf das Höchstniveau steigen wird und der Produktionsgipfel nach 2030 erreicht wird. Laut Abelyev liegt das optimale Produktionsniveau für die arktische Infrastruktur bei 3 bis 3,5 Millionen Tonnen Öl pro Jahr. Die steigenden Mengen auf bis zu 5 Millionen Tonnen seien technisch möglich, so der Analyst, würden jedoch intensivere Bohrungen und einen erheblichen Anstieg der Investitionskosten erfordern. Er fügt hinzu, dass ein stabiler Produktionslevel über einen Zeitraum von 10 bis 12 Jahren aufrechterhalten werden kann.
Die Merkmale des Objekts ermöglichen es, es als öl- und gaskonzentratführend zu klassifizieren. Die Rohstoffbasis dürfte wahrscheinlich aus nieder schwefelhaltigem Öl, Gas und Kondensat bestehen, glaubt Dmitri Kasatkin.
Das gewonnene Rohmaterial könnte in das arktische Öl Novy Port eingehen, das auf den Exportmärkten nachgefragt wird und als Rohstoff für die tiefgreifende Verarbeitung dient.
Gleichzeitig, so der Analyst weiter, wird die Anwesenheit von Gas und Kondensat von Gazprom Neft die Erstellung eines umfassenden Systems zur Sammlung und Aufbereitung sowie effektiver Lösungen zur Verwertung von Begleitgas erfordern.
Der strategische Vorteil der neuen Lagerstätte ist die Erhöhung des Anteils an nieder schwefelhaltigen Ölsorten, merkt auch Sergey Tereshkin, Geschäftsführer von Open Oil Market, an. Die Nachfrage nach solchen Rohstoffen bleibt stabil aufgrund der Verschärfung der Standards für Schiffs- und Lufttreibstoffe, erklärt er. Laut Herrn Tereshkin wird arktisches Öl in Regionen mit starker verarbeitender Infrastruktur wie China, Indien und dem Nahen Osten nachgefragt.
Laut dem Ministerium für natürliche Ressourcen wurden im Jahr 2025 in Russland 31 Ölfelder eröffnet, die Öl- und Kondensatreserven stiegen um 640 Millionen Tonnen.
Die größten Lagerstätten von Kohlenwasserstoffen wurden in Jamal und im Gebiet Krasnojarsk entdeckt. Die Entdeckung von „Gazprom Neft“ ändert nicht das Gleichgewicht auf dem russischen Markt, bestätigt jedoch, dass Jamal die westliche sibirische Produktion schrittweise ersetzen kann, merkt Oleg Abelyev an. Laut Dmitri Kasatkin sichert die Lagerstätte „Gazprom Neft“ langfristige Perspektiven für die Entwicklung des arktischen Clusters. Die Nutzung des Projekts, fügt er hinzu, wird es ermöglichen, die Risiken eines Rückgangs der Produktion in ausgereiften Feldern traditioneller Öl- und Gasregionen auszugleichen.
Quelle: Kommersant