
Ausführliche Übersicht über wirtschaftliche Ereignisse und Unternehmensberichte am 24. Januar 2026. Sitzung der US-Notenbank, Entscheidung der Bank von Kanada, Indikatoren der Geschäftstätigkeit (IFO in Deutschland, Bestellungen langlebiger Güter in den USA) sowie die Quartalszahlen von Unternehmen aus den USA, Europa, Asien und Russland.
Der Samstag bringt den Märkten eine Atempause, doch die Investoren bereiten sich bereits auf eine ereignisreiche Handelswoche vor. Im Mittelpunkt steht die bevorstehende Sitzung der US-Notenbank, deren Ausgang den Ton für die Renditen von Anleihen und den Kurs des Dollars angeben wird. In Europa wird der Fokus auf die Indikatoren des Geschäftsklimas gerichtet sein: Am Montag wird der IFO-Index für Deutschland veröffentlicht, der die Stimmung im Geschäftsumfeld der größten Volkswirtschaft der Region widerspiegelt. Gleichzeitig werden frische Daten zu den Bestellungen langlebiger Güter in den USA ein Signal über den Zustand des Industriesektors geben.
Am Unternehmensfront geht die Berichtssaison weiter: US-amerikanische Industriefirmen, Finanzunternehmen und Technologieunternehmen legen ihre Ergebnisse für das vierte Quartal vor, gefolgt von europäischen Marktführern im Einzelhandel und Transport sowie einzelnen asiatischen Konzernen. Für die Investoren ist es wichtig, makroökonomische und mikroökonomische Signale zusammen zu betrachten: Geldpolitik der Zentralbanken ↔ Renditen und Währungen ↔ Rohstoffpreise ↔ Unternehmensgewinnprognosen ↔ Risikoappetit.
Ökonomischer Kalender (MEZ)
- 12:30 — Deutschland: IFO-Geschäftsklimaindex (Januar).
- 16:30 — USA: Bestellungen langlebiger Güter (Dezember).
US-Notenbank: Erwartungen zur Zinssatzentscheidung
- Die US-Notenbank wird in der nächsten Woche eine Sitzung abhalten, und die Investoren erwarten Hinweise auf den weiteren Verlauf der Zinssätze. Sollte die Notenbank den Zinssatz unverändert lassen, wird die Aufmerksamkeit auf die Rhetorik in der Erklärung und der Pressekonferenz gelenkt: Hinweise auf eine zukünftige Lockerung der Geldpolitik könnten den Aktienmarkt unterstützen, während Anzeichen für das Festhalten an einer „falkeartigen“ Position den Anstieg der Renditen von Staatsanleihen verstärken und den Druck auf risikobehaftete Anlagen erhöhen könnten.
- Ein wichtiger Maßstab für die Notenbank bleibt die Kerninflation in den USA, deren Entwicklung den Ton der Kommentare bestimmen wird. Ein Rückgang des Inflationsdrucks wird die Erwartungen an eine Zinspause oder sogar Zinssenkungen verstärken, während eine anhaltend hohe Inflation die Beharrlichkeit des Regulierungsbehörden aufrechterhalten wird. Die Entscheidung der US-Notenbank wird sich direkt auf den Dollar-Kurs auswirken und über die Verbindung „Renditen – Dollar“ auf die Bewertungen von Technologiewerten und die Goldpreise.
Bank von Kanada: Signal für globale Zinssätze
- Die Bank von Kanada wird in den kommenden Tagen ebenfalls eine Entscheidung über den Zinssatz bekanntgeben. Es wird erwartet, dass der Regulierungsbehörde den Zinssatz stabil hält, da eine Stabilisierung der Inflation und eine Verlangsamung der Wirtschaft zu beobachten sind. Dennoch werden die Investoren das begleitende Statement genau verfolgen: Eine Lockerung der Rhetorik der Bank von Kanada könnte auf einen bevorstehenden Zyklus von Zinssenkungen hindeuten und als Indikator für andere Zentralbanken in entwickelten Ländern dienen.
- Die Reaktion des kanadischen Dollars und des Anleihemarktes auf die Sitzungsergebnisse ist nicht nur lokal, sondern auch global wichtig. Starke Schwankungen der Renditen kanadischer Anleihen könnten über Arbitrage auf die Märkte in den USA und Europa übergreifen. Darüber hinaus dient die Geldpolitik der Bank von Kanada als Benchmark für verschiedene Rohstoffwährungen; ein milderer Ton könnte die Stimmung auf den Schwellenmärkten und die Ölpreise unterstützen.
USA: Bestellungen langlebiger Güter
- Der Bericht über die Bestellungen langlebiger Güter für Dezember wird zeigen, ob die industrielle Nachfrage gegen Ende des Jahres wieder ansteigt. Zuvor war der Indikator aufgrund von Volatilität im Luftfahrtsektor zurückgegangen; die neuen Daten werden Einblicke in die Dynamik der Investitionsnachfrage im verarbeitenden Gewerbe der USA geben.
- Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Anteil der Bestellungen ohne Berücksichtigung von Verteidigungs- und Luftfahrtprodukten — den sogenannten Basisbestellungen von Investitionsgütern. Ein Anstieg dieses Indikators würde ein Signal für eine Belebung der Unternehmensinvestitionen darstellen, was positiv für den Aktienmarkt und den Industrie-Sektor des S&P 500 wäre. Sollten die Statistiken jedoch erneut auf einen Rückgang der Bestellungen hinweisen, könnte dies die Bedenken hinsichtlich einer wirtschaftlichen Verlangsamung verstärken und die Erwartungen an die weiteren Maßnahmen der US-Notenbank beeinflussen.
Europa: IFO-Index in Deutschland
- Der IFO-Geschäftsklimaindex ist ein Frühindikator, der die Stimmung von rund 9.000 deutschen Unternehmen widerspiegelt. Die Veröffentlichung für Januar wird zeigen, wie die Unternehmen die aktuelle Lage und die Aussichten für die deutsche Wirtschaft zu Beginn des Jahres einschätzen. In den letzten Monaten hielt sich der Index auf niedrigem Niveau und wies auf die Vorsicht der Firmen angesichts hoher Ressourcenpreise und eines schwächeren externen Nachfrage hin.
- Eine Verbesserung des IFO-Wertes kann darauf hinweisen, dass der europäische Industrieschwund seinen Tiefpunkt erreicht hat: Positive Erwartungen der deutschen Wirtschaft könnten den Euro-Kurs und die Aktien zyklischer Unternehmen im Euro Stoxx 50 stützen. Umgekehrt könnte eine weitere Verschlechterung des Indikators die Bedenken über eine Rezession in Europa verstärken, was das Interesse an deutschen Staatsanleihen als „sicheren Hafen“ erhöhen dürfte.
Berichtserstattung: vor der Eröffnung (BMO, USA und Europa)
- Ryanair Holdings (RYAAY) — der größte Billigflieger Europas. Im Fokus: Passagieraufkommen in der Wintersaison und Prognosen zur Auslastung der Flüge für 2026. Eine Verbesserung der Finanzkennzahlen der irischen Fluggesellschaft könnte ein Indiz für eine Wiederbelebung der touristischen Aktivitäten sein und die Stimmung im Flugsektor stützen.
- Bank of Hawaii (BOH) — eine regionale Bank in den USA. Schlüsselkennzahlen: Zu- und Abflüsse von Einlagen im Zusammenhang mit Änderungen der Zinssätze, Zinsmarge (NIM) und die Qualität des Kreditportfolios. Die Ergebnisse von BOH werden einen lokalen Einblick in den Zustand des Bankensektors geben: Eine stabile Marge und niedrige Ausfälle könnten die Investoren beruhigen, während sinkende Rentabilität oder ein Anstieg der Rückstellungen für Verluste Besorgnis über regionale Banken neu entfachen könnten.
- Steel Dynamics (STLD) — ein Stahlhersteller (S&P 500). Im Mittelpunkt: Stahlverkäufe und die Preisentwicklung bei Metallprodukten. Die Kommentare des Managements bezüglich der Nachfrage aus dem Bau- und Automobilsektor werden als Barometer für die industrielle Aktivität dienen. Starke Ergebnisse von STLD zusammen mit Wachstumsprognosen könnten den gesamten Metallsektor unterstützen.
Berichtserstattung: nach Schließung (AMC, USA)
- Nucor Corp. (NUE) — der größte Stahlproduzent in den USA. Wichtige Kennzahlen: operative Rentabilität bei wechselnden Stahlpreisen, Auslastung der Fabriken und Prognose zu den Investitionsausgaben. Als Branchenführer gibt Nucor den Ton für den gesamten Metallsektor an: Ein optimistischer Bericht des Unternehmens könnte das Vertrauen in industrielle Aktien stärken, besonders vor dem Hintergrund umfangreicher Infrastrukturprojekte in den USA.
- SoFi Technologies (SOFI) — eine Fintech-Plattform, die Bank- und Investmentdienstleistungen anbietet. Für Investoren entscheidend: Wachstum der Kundenbasis und das Volumen der ausgegebenen Kredite sowie Fortschritte auf dem Weg zur Rentabilität. Hohe Wachstumsraten beim Umsatz und sinkende Verluste könnten das Risikoappetit im Fintech-Sektor erhöhen, während schwache Ergebnisse Zweifel an der Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells von SoFi aufkommen lassen.
- W.R. Berkley (WRB) — ein großer Akteur im Bereich Versicherung (Sach- und Haftpflicht). Hauptpunkte: Auszahlungsniveau bei Versicherungsfällen, Trends bei den Prämien und die Anlagerendite aus der Platzierung von Rücklagen. Versicherungsunternehmen sind empfindlich gegenüber dem Zinszyklus: Ein Anstieg der Anlagerenditen bei hohen Zinsen könnte den Anstieg der Verlustquoten ausgleichen. Die Ergebnisse von WRB werden Einblick in die Gesundheit des Versicherungssektors und die Stimmung der Unternehmenskunden geben.
Weitere Regionen und Indizes: Euro Stoxx 50, Nikkei 225, MOEX
- Euro Stoxx 50: Am 24. Januar stehen in Europa nur wenige große Unternehmensberichte an, daher bestimmen die makroökonomischen Erwartungen den Ton der Märkte. Investoren beobachten, wie die veröffentlichten Daten (IFO für Deutschland) und die Aussichten der Geldpolitik der EZB die europäischen Aktien beeinflussen werden. Der Fokus bleibt auf der Dynamik des Verbrauchersektors und der Luxusindustrie: Später in der Woche wird LVMH Bericht erstatten, und der Markt wird den Zustand der Nachfrage nach Luxusgütern bewerten.
- Nikkei 225 / Asien: In Japan läuft die Berichtssaison für das dritte Finanzquartal; bald werden mehrere Industrie- und Technologieunternehmen, darunter Automobilhersteller und Elektronikproduzenten, ihre Ergebnisse vorstellen. In China bereiten sich die Investoren auf die Veröffentlichung offizieller PMI-Indizes vor, die Ende Januar erwartet werden — diese Daten werden ein Signal für die Erholung der chinesischen Wirtschaft senden und könnten die Rohstoffmärkte und Währungen der Schwellenländer beeinflussen.
- MOEX / Russland: Im russischen Unternehmenssegment gibt es in diesem Zeitraum keine bedeutenden Berichte — der Höhepunkt der jährlichen Berichterstattung der größten Unternehmen in Russland fällt traditionell in den März-April. Dennoch veröffentlichen einige Emittenten operative Kennzahlen: Beispielsweise könnten Einzelhandelsketten vorläufige Verkaufsdaten für die Feiertage bekannt geben, während Öl- und Gasunternehmen Statistiken zur Förderung für 2025 veröffentlichen. Diese punktuellen Veröffentlichungen können Anhaltspunkte für den lokalen Markt geben, während der globale Einfluss begrenzt bleibt.
Tagesschau: Worauf Investoren achten sollten
- Geldpolitik: Die Erklärungen der US-Notenbank und der Bank von Kanada werden die Haupttreiber der Woche sein. Jede Überraschung (z. B. ein milderer Ton der US-Notenbank oder ein unerwarteter Schritt der Bank von Kanada) könnte dazu führen, dass die Zinserwartungen neu ausgerichtet werden und infolgedessen scharfe Bewegungen an den Anleihe- und Devisenmärkten erfolgen.
- Makroökonomische Daten: Die Kombination aus amerikanischen Statistiken zu den Bestellungen langlebiger Güter und dem europäischen IFO-Index wird den Ausgangspunkt für den Handel bilden. Starke Zahlen aus den USA und Deutschland werden die Hoffnungen auf eine „weiche Landung“ der globalen Wirtschaft verstärken, während schwache Berichte die Diskussionen über eine Rezession intensivieren werden. Die Reaktion der Märkte auf diese Indikatoren wird zeigen, wie stark Investoren derzeit datenorientiert und empfindlich gegenüber ökonomischen Signalen sind.
- Unternehmensberichte: Die Aufmerksamkeit richtet sich auf die Ergebnisse des Industriegiganten Nucor und einer Reihe von Finanzunternehmen. Erfolgreiche Berichte könnten den Fokus von makroökonomischen Risiken auf Unternehmenswachstumsgeschichten verlagern – insbesondere wenn die Unternehmen nicht nur die Gewinnprognosen übertreffen, sondern auch optimistische Prognosen für 2026 abgeben. Gleichzeitig werden Enttäuschungen in der Berichterstattung daran erinnern, dass hohe Zinsen und Kosten auf die Margen des Unternehmens lasten.
- Risikomanagement: Angesichts bevorstehender wichtiger Ereignisse ist es ratsam, vorsichtig zu bleiben. Investoren sollten im Voraus die Volatilitätsbereiche festlegen, innerhalb derer sie bereit sind, ihre Positionen zu überdenken. Die Nutzung von Stop-Loss-Orders, Diversifizierung der Vermögenswerte nach Währungen und Sektoren sowie die Absicherung von Schlüsselrisiken werden helfen, eine potenziell turbulente Woche mit geringeren Verlusten zu überstehen.