
Ausführlicher Überblick über wirtschaftliche Ereignisse und Unternehmensberichte am 9. Januar 2026. Nonfarm Payrolls in den USA, Inflation in China und Brasilien, Verbraucherstimmungen in den USA sowie Unternehmensresultate aus den USA, Europa, Asien und Russland.
Der Freitag bringt einen geladenen Nachrichtenhorizont für die globalen Märkte mit sich: In Asien richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Inflation in China, die Aufschluss über den Zustand der Inlandsnachfrage im Land geben wird. In Europa liegt der Fokus auf der Entwicklung der Industrieproduktion in Deutschland, die die Gesundheit des verarbeitenden Sektors der Eurozone widerspiegelt. Der wichtigste Treiber des Tages wird jedoch die Veröffentlichung des Arbeitsmarktberichts der USA (Nonfarm Payrolls) für Dezember sein, der die Erwartungen an die Geldpolitik der Fed und das Anlegervertrauen erheblich beeinflussen könnte. Zudem werden die Verbraucherstimmungen und die Bautätigkeit in den USA veröffentlicht. Auf der Unternehmensseite beginnt die neue Berichtssaison: Eine Reihe großer Unternehmen aus den USA, Europa und Asien wird ihre Ergebnisse vorstellen und damit erste Anhaltspunkte für die Unternehmensgewinne zu Beginn des Jahres 2026 liefern. Für Anleger ist es wichtig, diese heterogenen Daten im Gesamtkontext zu bewerten und die Zusammenhänge zu verfolgen: US-Arbeitsmarkt ↔ Fed-Politik ↔ Anleiherenditen ↔ Aktien- und Rohstoffdynamik.
Ökonomischer Kalender (MEZ)
- 04:30 — China: Verbraucherpreisindex (VPI) für Dezember.
- 10:00 — Deutschland: Industrieproduktion für November.
- 15:00 — Brasilien: Verbraucherpreisindex (VPI) für Dezember.
- 16:30 — USA: Nonfarm Payrolls (Dezember).
- 16:30 — USA: Arbeitslosenquote (Dezember).
- 16:30 — USA: Zahl der Baubeginne (Housing Starts) für Oktober.
- 18:00 — USA: Verbraucherinflationserwartungen (Januar, vorläufig).
- 18:00 — USA: Verbraucherindex des University of Michigan (Januar, vorläufig).
- 21:00 — USA: Baker Hughes Bericht über die aktiven Bohranlagen.
Worauf man bei den Nonfarm Payrolls in den USA achten sollte
- Die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Entwicklung der Arbeitslosenquote sind die Hauptmaßstäbe für die Fed. Ein unerwartet starker Anstieg der Einstellungen könnte die Erwartungen an eine weitere Straffung der Politik verstärken (Druck auf Anleihen und Aktien), während schwache Daten im Gegenteil die Stimmung an den Märkten mildern könnten.
- Der Anstieg der durchschnittlichen Stundenlöhne ist ein wichtiger Indikator für den Inflationsdruck vom Arbeitsmarkt. Eine Beschleunigung der Löhne könnte die Märkte beunruhigen und „hawkische“ Stimmungen verstärken, während eine Verlangsamung des Lohnwachstums die Hoffnungen auf eine Pause bei Zinserhöhungen unterstützen würde.
- Marktreaktion: Die Renditen von Staatsanleihen und der Dollar-Kurs werden umgehend auf den US-Bericht reagieren. Ein Anstieg der Renditen belastet in der Regel technologieorientierte Aktien und Gold, während ein schwacher Bericht den Dollar schwächen und den Aktienindizes Schwung verleihen könnte.
Inflation in China und Brasilien
- China: Eine CPI-Dynamik nahe null weist auf eine schwache Inlandsnachfrage hin. Die Dezemberdaten werden zeigen, ob die Deflationsrisiken in der chinesischen Wirtschaft bestehen bleiben. Eine niedrige Inflation verstärkt die Erwartungen an zusätzliche konjunkturelle Maßnahmen der Volksbank von China und beeinflusst die Rohstoffmärkte durch eventuelle Nachfragerückgänge seitens Chinas.
- Brasilien: Die jährliche Inflation hat sich Ende 2025 auf etwa 4% verlangsamt, was auf die strenge Politik der Zentralbank zurückzuführen ist. Ein weiterer Rückgang des CPI im Dezember öffnet den Weg für eine weitere Lockerung der Geldpolitik in Brasilien. Diese Daten sind für Investoren auf den Schwellenländern-Märkten (EM) wichtig, da sie die Kurse von Anleihen und Währungen in der Region beeinflussen.
Europa: Die Industrie Deutschlands im Blick
- Deutschland: Die Entwicklung der Industrieproduktion im November wird den Zustand des entscheidenden verarbeitenden Sektors in Europa widerspiegeln. Ein anhaltender Rückgang würde auf die fortdauernden Schwierigkeiten im deutschen Export (Automobilindustrie, Maschinenbau) hindeuten, während ein unerwarteter Anstieg auf eine allmähliche Stabilisierung der größten Volkswirtschaft der Eurozone hinweisen könnte.
- Marktbeeinflussung: Starke Daten aus Deutschland werden den Euro-Kurs und die Aktien zyklischer Unternehmen unterstützen (DAX, Euro Stoxx 50). Sollten die Statistiken enttäuschen, könnten an den europäischen Märkten pessimistische Stimmungen zunehmen: Anleger könnten sich in defensive Anlagen zurückziehen, und die Erwartungen an die EZB würden weicher werden.
USA: Immobilienmarkt und Verbrauchervertrauen
- Neubauten: Die Kennzahlen zu den Housing Starts (auch wenn sie mit Verzögerung veröffentlicht werden) spiegeln die Aktivität auf dem Immobilienmarkt der USA wider. Schwache Daten zu Neubaubeginnen könnten ein Zeichen für den Einfluss hoher Fed-Zinsen auf den Bausektor sein, während ein Anstieg dieses Indikators darauf hindeutet, dass die Nachfrage nach Wohnraum trotz teurer Kredite bestehen bleibt.
- Verbraucherstimmungen: Der vorläufige Verbrauchervertrauensindex der Universität Michigan für Januar wird die Stimmung der Haushalte zum Jahresbeginn zeigen. Ein Anstieg des Indikators und eine Senkung der inflationären Erwartungen würden das Vertrauen in die Stabilität der Verbraucherausgaben stärken, während ein Rückgang der Stimmung auf Risiken für den Einzelhandel und die Wirtschaft insgesamt hinweisen könnte.
Berichterstattung: Vor Markteröffnung (BMO, USA, Europa und Asien)
- Constellation Brands (STZ) – amerikanischer Hersteller von alkoholischen Getränken. Im Fokus: Anstieg der Verkäufe im Biersegment angesichts der erhöhten Nachfrage während der Feiertage, die Entwicklung der operativen Marge und die aktualisierte Prognose für das Finanzjahr (unter Berücksichtigung der inflationsbedingten Kosten und Verbrauchertendenzen).
- Walgreens Boots Alliance (WBA) – größte Apothekenkette (Dow Jones-Index). Wichtig: vergleichbare Verkäufe in den USA und Großbritannien im Feiertagsquartal, Fortschritte im Kostenreduzierungsprogramm und der Optimierung des Apothekengeschäfts. Anleger werden die Marge im Arzneimittel-Einzelhandel und die Kommentare des Managements zu den Perspektiven für 2026 bewerten.
- TSMC (TSM) – taiwanesischer Halbleitergigant, der Daten zu Umsatz für Dezember veröffentlicht. Diese Zahlen kündigen praktisch die Ergebnisse des IV. Quartals an: Ein Anstieg der Verkäufe würde auf eine Erholung der globalen Nachfrage nach Chips (AI, Automobile, Elektronik) hinweisen, während ein Rückgang der Verkäufe die Sorgen über eine Verlangsamung des Technologiemarktes verstärken könnte.
- J Sainsbury (SBRY.L) – eine der führenden britischen Einzelhandelsketten. Wird die Ergebnisse des Weihnachtsquartals (Q3) vorlegen. Im Blick: Entwicklung der vergleichbaren Verkäufe in den Lebensmittelkategorien, Inflationsauswirkungen auf das Kaufverhalten und mögliche Anpassung der Gewinnprognose für das Jahr nach den Feiertagen.
- Yaskawa Electric (6506.T) – japanischer Marktführer in der Robotik und industriellen Automatisierung. Berichtet für das 3. Quartal des Geschäftsjahres 2025. Wichtige Kennzahlen: Volumen neuer Aufträge für automatisierte Systeme (insbesondere von Automotive und Elektronik), Rentabilität des Geschäfts und Änderungen der Jahresprognose. Die Ergebnisse von Yaskawa setzen den Ton für den asiatischen Technologiesektor.
Berichterstattung: Nach Marktschluss (AMC, USA)
- Für den 9. Januar sind nach Börsenschluss keine großen Unternehmensberichte geplant. Lediglich einige Unternehmen kleinerer und mittlerer Größe werden ihre Quartalszahlen veröffentlichen (zum Beispiel Anixa Biosciences in der Biotechnologie, RCI Hospitality im Entertainment-Bereich), deren Ergebnisse jedoch voraussichtlich keinen Einfluss auf den Gesamtmarkt haben werden.
Weitere Regionen und Indizes: Euro Stoxx 50, Nikkei 225, MOEX
- Euro Stoxx 50: Zum 9. Januar sind unter den Schlüsselunternehmen der Eurozone keine bedeutenden Wirtschaftsberichte geplant, daher werden die europäischen Märkte von den makroökonomischen Nachrichten und externen Faktoren geprägt sein. Investoren verfolgen die Reaktionen auf die Statistiken aus den USA und China sowie die ersten Handelsberichte britischer Einzelhändler (z. B. Sainsbury's), um die Verbrauchernachfrage in der Region zu bewerten.
- Nikkei 225 / Japan: In Tokio beginnt die Saison für Quartalsberichte. Die Veröffentlichungen von Unternehmen wie Yaskawa Electric und других Herstellern geben erste Signale für den japanischen Markt. Starke Ergebnisse dürften den Nikkei 225 unterstützen, insbesondere Aktien aus dem Technologie- und Industriesektor, während schwache Ergebnisse die Vorsicht der Anleger erhöhen könnten. Zudem bleiben der Yen-Kurs und die Politik der Bank of Japan Hintergrundfaktoren für die Dynamik des Index.
- MOEX / Russland: Nach den Neujahrsfeiertagen kehrt der russische Markt zur Aktivität zurück, jedoch gibt es am 9. Januar keine bedeutenden Unternehmensberichte. Der Höhepunkt der Veröffentlichung Jahresberichte großer russischer Emittenten liegt traditionell zwischen Februar und März. Somit orientiert sich die Moskauer Börse kurzfristig hauptsächlich an externen Signalen – Rohölpreise, globale Risikobereitschaft und Währungsdynamik.
Tagesschlussfolgerungen: Worauf Anleger achten sollten
- 1) US-Arbeitsmarkt: Die Dezemberzahlen zu den Nonfarm Payrolls (neben der Arbeitslosenquote) sind der Haupttrigger des Tages für die Märkte. Besonders Augenmerk gilt dem Anstieg der Löhne; eine Überhitzung des Arbeitsmarkts könnte zu steigenden Renditen und Druck auf die Aktien führen. Es ist nicht verwunderlich, wenn die Indizes und Währungen nach der Veröffentlichung des Berichts starke Schwankungen zeigen.
- 2) Inflationstrends: Die Daten aus China und Brasilien ermöglichen eine Einschätzung des globalen Preisdrucks. Ein niedriger VPI in China verstärkt die „tauben“ Tendenzen, während die moderate Inflation in Brasilien die Kontrollierbarkeit der Situation auf den Schwellenländern-Märkten bestätigt.
- 3) Europa: Die Statistiken aus Deutschland werden deutlich machen, wie sicher die EU ins neue Jahr gestartet ist. Verbesserte Kennzahlen stärken den Euro Stoxx 50 und den EUR-Kurs, während Schwächen die Erwartungen an eine Lockerung der EZB-Politik verstärken könnten.
- 4) Unternehmensberichte: Die Ergebnisse von Constellation Brands, Walgreens, Sainsbury's (und anderen Berichten des Tages) liefern Informationen über den Zustand der Nachfrage und der Margen in verschiedenen Sektoren – von Konsumgütern bis Einzelhandel. Zudem könnten die Daten der Technologieunternehmen in Asien (z. B. TSMC) den Fokus der Anleger von makroökonomischen Themen auf spezifische Unternehmensgeschichten einzelner Branchen verlagern.
- 5) Risikomanagement: Der Tag ist mit Ereignissen überladen, es sind Schwankungen in der Volatilität möglich. Es wird empfohlen, im Voraus Risikoniveaus festzulegen und Limit-Orders sowie Hedging-Tools zum Schutz des Portfolios zu verwenden.