
Weltwirtschaftsnachrichten aus der Öl- und Gasbranche sowie der Energiewirtschaft am Samstag, den 10. Januar 2026. Öl, Gas, Elektrizität, Erneuerbare Energien, Kohle, Mineralölprodukte und Raffinerien: Schlüsselereignisse im globalen Energiesektor für Investoren und Akteure des Energiemarktes.
Im Vorfeld des Jahres 2026 zeigt der globale Energiemarkt eine ausbalancierte Entwicklung: Ein Überangebot hält das Preiswachstum für Öl und Gas in Schach, während eine moderate Nachfrage plötzliche Preisspitzen verhindert. Die Preise für Brent stabilisierten sich bei etwa 60–63 USD pro Barrel, während der amerikanische WTI-Preis im Bereich von 55–58 USD liegt (Daten aus Anfang Januar). Der Gassektor befindet sich in einer relativ ruhigen Phase: Dank rekordverdächtiger LNG-Liefermengen und einem milden Winter in Europa und Asien bleiben die Gaspreise auf einem niedrigen Niveau (ca. 28–30 €/MWh in Europa, mit China auf einem fünfjährigen Tief). Investoren verzeichnen zudem eine Beschleunigung des Übergangs zu erneuerbaren Energien – diese Quelle stellt Rekorde in der Stromproduktion auf, während traditionelle Kohle- und Gaskraftwerke nach wie vor das Gleichgewicht der Energiesysteme gewährleisten.
Ölmarkt: Überangebot hält die Preise stabil
Der Ölmarkt steht weiterhin unter dem Druck fundamentaler Faktoren: Das globale Angebot bleibt hoch, während das Nachfragewachstum verlangsamt ist. Im Jahr 2025 fielen die Ölpreise um fast ein Fünftel im Vergleich zu den Werten des Vorjahres (der auffälligste Rückgang seit 2020), was auf ein erhöhtes Produktionsniveau und ein schwaches globales Wirtschaftswachstum hinweist. Im Dezember 2025 stellte die OPEC+ die geplante Erhöhung der Produktion für Anfang 2026 aufgrund einer "Marktsättigung" ein. In dem Januar-Meeting einigten sich die führenden Exportländer darauf, die Produktionskürzungen im 4. Quartal aufrechtzuerhalten, um einen weiteren Preisverfall zu verhindern. Die Quoten für Januar bis März blieben unverändert: Russland – 9,574 Millionen Barrel/Tag, Saudi-Arabien – 10,103 Millionen Barrel/Tag, Irak – 4,273 Millionen Barrel/Tag usw. (ohne Berücksichtigung von Kompensationsverpflichtungen).
- Faktoren für den Druck auf den Ölpreis: Fortsetzung der Produktionskürzungen von OPEC+ im ersten Quartal; Übermäßige Ölreserven auf dem Markt (der Lagerbestand bleibt hoch).
- US-Politik: Die US-Regierung startete den Verkauf venezolanischen Öls und von Ölprodukten (bis zu 30–50 Millionen Barrel) aus strategischen Reserven. Diese Maßnahme könnte das Angebot erhöhen, obwohl der Preis bisher nicht dramatisch reagiert.
- Ölpreise: Brent-Futures stiegen auf etwa 62–63 USD pro Barrel (Minimum am 8. Dezember), teilweise bedingt durch geopolitische Risiken. Dennoch prognostizieren Analysten, dass die Preise angesichts der aktuellen Trends moderat bleiben könnten, mit Brent, das möglicherweise bis zur Jahresmitte auf 50–55 USD sinken kann.
- Russisches Öl Urals handelt mit einem rekordhohen Abschlag zu Brent – etwa 20–25 USD (doppelt so viel wie im Jahresdurchschnitt). Dies spiegelt den Sanktionsdruck und das Überangebot auf den Märkten wider. Mit dem Anstieg des Rubels auf etwa 80 USD liegt der Rubelpreis für Urals bei etwa 3000 Rubel/Barrel (zweimal niedriger als vor einem Jahr).
Gasmarkt: Rekordzufluss von LNG und komfortable Bestände
Der Gasmarkt profitiert von einem günstigen Preisgefüge: Die Bestände in europäischen Gasspeichern übersteigen zwei Drittel des Maximums und bieten somit eine stabile Reserve für die Mitte des Winters. Februar-Futures auf TTF liegen bei 28–30 €/MWh, was weit unter den Frühjahrs-Hochs von 2022 liegt. Im Jahr 2025 erreichten die LNG-Lieferungen nach Europa mit 100 Millionen Tonnen einen Rekordwert, was den Rückgang der Pipelines aus Russland kompensierte. Auch im Jahr 2026 wird eine verstärkte Konkurrenz auf dem LNG-Markt erwartet: Die USA erhöhen den Gasexport und richten bis zu 70% der Lieferungen nach Europa, während neue LNG-Infrastrukturen die geplante Kapazität erreichen.
- Nachfrage- und Angebotsbilanz: Überangebot an LNG und milder Winter führen zu sinkenden Preisen. Analysten prognostizieren, dass die jährlichen Gasnotierungen in Europa um 15–20% (auf ca. 350–370 USD pro 1000 m³) und in Asien um 15% (auf etwa 11 USD pro Million BTU) aufgrund der Bildung von Überangeboten und des Fehlens eines signifikanten Nachfragewachstums sinken könnten.
- US-LNG-Export: Im Jahr 2025 erreichten die Transporte von US-LNG Rekordwerte – mehr als 124 Milliarden m³ von Januar bis Oktober (ein Anstieg von 23% gegenüber 2024). Der Großteil wird nach Europa (ca. 70% des Exports) verschifft, was die Konkurrenz auf dem regionalen Markt verstärkt.
- Preise in Asien: Kaltes Wetter nimmt ab, und in China sind die Großhandelspreise für LNG auf fünfjährige Tiefpunkte gefallen, bedingt durch den milden Winter und vorhandene Bestände. Tatsächlich sind die Speicher zu über 70% gefüllt, was Verkäufer zwingt, überschüssigen Brennstoff zu reduzierten Preisen zu verkaufen.
Geopolitik: Venezuela, Sanktionen und interne Konsolidierung in OPEC+
Politische Ereignisse haben einen erheblichen Einfluss auf den Energiesektor. Erstens, in Venezuela ist eine beispiellose Krise ausgebrochen: Am 3. Januar verhafteten die USA Präsident Maduro und übernahmen faktisch die Kontrolle über einen Großteil des Erdölsektors des Landes. Trump kündigte Pläne an, amerikanische Energieunternehmen zur Modernisierung der venezolanischen Infrastruktur und zur Erhöhung der Ölproduktion einzubeziehen. Trotz der größten nachgewiesenen Erdölvorkommen der Welt sind die aktuellen Produktionsmengen gering, und eine Wiederherstellung wird Jahre in Anspruch nehmen. Die Marktreaktion blieb bisher ruhig: Investoren verstehen, dass der Übergang zu einem erhöhten Angebot Zeit benötigen wird.
Zweitens, innerhalb der OPEC+ gibt es Meinungsverschiedenheiten: Saudi-Arabien und die VAE befanden sich in einem Konflikt (aufgrund der Situation im Jemen), was die schwerwiegendste Spaltung im Bündnis seit Jahren darstellt. Bei dem Januartreffen demonstrierte jedoch die "Oktette" (Russland, Saudi-Arabien, VAE, Kasachstan, Irak, Algerien, Oman, Kuwait) Einigkeit – alle stimmten einstimmig für die Beibehaltung der Produktionskürzungen und lehnten eine Erhöhung der Quoten für den Februar ab. Dies bestätigt den Wunsch der wichtigsten Akteure, plötzliche Angebotssteigerungen zu vermeiden und die Marktstabilität zu gewährleisten.
Neue sanktionsbedingte Maßnahmen des Westens verstärken die Unsicherheit. Ende 2025 erweiterte die US-Administration sektoriellen Sanktionen gegen die größten russischen Ölunternehmen "Rosneft" und "Lukoil", was die Möglichkeiten des Rohstoffexports und von Technologien weiter einschränkt. Die Europäische Union diskutiert wiederum die Verschärfung von Umweltvorschriften (z.B. den Bau eines CO2-Zollmechanismus), was indirekt den globalen Energiesektor betrifft. Insgesamt verschärfen geopolitische Risiken den Wettbewerb um Märkte und beschleunigen die Diversifizierung von Lieferketten.
Asien: Indien und China – Balance zwischen Import und Produktionsausbau
- Indien: ist traditionell einer der größten Abnehmer von billigem Öl. Russisches Öl zu Rabatten (~5 USD unter Brent) erreicht weiterhin den indischen Markt und trägt dazu bei, die Inlandspreise für Kraftstoffe zu stabilisieren. Allerdings kündigte der größte Importeur von Raffinerien, Reliance Industries, unter Druck der USA (Einfuhrzölle auf Öl) an, im Januar auf russische Lieferungen zu verzichten. Dies wird voraussichtlich dazu führen, dass die Einfuhren russischen Öls nach Indien unter 1 Million Barrel/Tag sinken, was den niedrigsten Stand in den letzten Jahren darstellt. Indien versucht gleichzeitig, die eigene Produktion und Raffineriekapazität auszubauen und erneuerbare Energien (Solar- und Windenergie) aktiv zu entwickeln, um die Energieversorgung zu diversifizieren und die Abhängigkeit von Importen zu verringern.
- China: hat im Jahr 2025 einen Rekordbetrag an Öl und Gas auf den Binnenmarkt eingeführt, vergleichbar mit dem Vorjahr. Peking kaufte aktiv Ressourcen aus Russland, dem Iran und Venezuela zu attraktiven Preisen zur Auffüllung strategischer Reserven. Die eigene Ölförderung und die Förderung von Gas wuchsen nur marginal (etwa 1–2%), und China deckt weiterhin rund 70% des Bedarfs durch Importe. Peking investiert zunehmend in die Erschließung neuer Vorkommen und die Entwicklung von Technologien sowie in den schnellen Ausbau erneuerbarer Energien (Solarmodule, Windkraftanlagen, Batterien). Trotz der Bemühungen um den Ausbau der eigenen Produktion wird China in den kommenden Jahren einer der größten Energieimporteure der Welt bleiben.
Energiemarkt und erneuerbare Technologien: Rekordwachstum und Rolle traditioneller Quellen
- Neue Rekorde bei erneuerbaren Energien: Der globale Übergang zu sauberer Energie gewinnt an Dynamik. Im Jahr 2025 wurden in vielen Ländern historische Höchstwerte bei der Produktion von Solar- und Windkraftanlagen erreicht. In Europa überstieg die gesamte Erzeugung aus PV-Anlagen und Windkraftanlagen erstmals das Produktionsvolumen von Kohlekraftwerken. Dies spiegelt die beschleunigte Abkehr von Kohle zugunsten "grüner" Technologien wider.
- Investitionen in erneuerbare Energien: Die größten weltweit tätigen Energieunternehmen (z.B. Shell, bp, Total und sogar "Rosneft" mit "Novatek") kündigen großangelegte Projekte in diesem Bereich an – von Offshore-Windparks bis hin zu großen Solarfarmen und Speichersystemen. Der Wunsch, den Klimazielen gerecht zu werden und den CO2-Fußabdruck zu reduzieren, fördert milliardenschwere Investitionen in saubere Technologien.
- Erhaltung von Reservekapazitäten: Mit dem Anstieg des Anteils erneuerbarer Energien steigt die Last auf den Energiesystemen, da Solar- und Windkraftwerke instabile Energie erzeugen. Daher halten Länder die Reserven traditioneller Quellen bereit: Gas-, Kohle- und Atomkraftwerke gewährleisten weiterhin die Grundlast und die Stabilisierung des Netzes während der Spitzenverbrauchszeiten.
- Klimaziele: Viele Staaten verschärfen ihre Umweltpolitik und Dekarbonisierungspläne. Regierungen führen Quoten, CO2-Steuern und Anreize für grüne Technologien (Wasserstoff, Elektrofahrzeuge, intelligente Netze) ein. Dies schafft einen langfristigen Trend zur schrittweisen Verringerung des Anteils fossiler Brennstoffe im globalen Energiemix.
Markt der Mineralölprodukte und inländischer Kraftstoffmarkt in Russland
- Exportbeschränkungen: Die russische Regierung hat das Verbot für den Export von Benzin, Diesel, Schiffstreibstoffen und anderen Mineralölprodukten bis Ende Februar 2026 verlängert. Dies geschah, um ein ausreichendes internes Angebot nach dem Mangel im Jahr 2025 aufrechtzuerhalten. Die Beschränkungen werden nur für Raffinerien (NPR) aufgehoben, die ihre Produkte bei freien Kapazitäten exportieren können.
- Marktabsicherung: Die Behörden verweisen auf mehrere Risiken: Angriffe ukrainischer Drohnen auf russische Raffinerien und Öltanks sowie ein rapide Anstieg der Großhandelspreise für Treibstoffe im Sommer 2025. Derzeit ist die Situation ruhiger, einige NPR haben ihre normale Produktionskapazität bereits wiederhergestellt, und der saisonale Verbrauchsrückgang (Winter) verringert den Druck auf den Markt.
- Treibstoffimport aus GUS-Ländern: Weißrussland hat die Lieferungen von Treibstoffen nach Russland erhöht, was es ermöglicht, die Inlandsbestände aufzufüllen und Reserven zu bilden. Im Falle eines Überangebots ist das Energieministerium bereit, die Importe aus Weißrussland zu reduzieren, um eine Überproduktion zu vermeiden. Dadurch wird das Risiko eines umfassenden Mangels auf dem inländischen Markt verringert.
- Preise für Benzin in Russland: Aufgrund des Rückgangs der Großhandelspreise und der Ankurbelung der Produktion erwarten Experten Stabilität der Preise an Tankstellen im Januar 2026. Nach den Preisspitzen im Herbst haben die russischen Behörden einige regulatorische Maßnahmen (Steuererleichterungen) aufgehoben, was zu einem moderaten Rückgang der Großhandelspreise führt, der Einzelhandelspreise vor einem plötzlichen Anstieg schützen sollte. Insgesamt wird der Beginn des Jahres 2026 traditionell als ruhig für den Kraftstoffmarkt angesehen.