Ölmarkt: Brent zwischen 84 und 87 US-Dollar vor dem Hintergrund von Angriffen auf Tanker
Die Ölpreise zeigen eine hohe Volatilität. Nach einem Rückgang von fast 5% zu Beginn der Woche — auf 84 US-Dollar pro Barrel Brent — erholte sich der Markt am Mittwoch wieder: Die September-Futures für Brent stiegen über 87 US-Dollar, und WTI wurde um 82 US-Dollar gehandelt. Mehrere Ereignisse trugen zu diesem Anstieg bei:
- Angriffe auf Tanker im Hormus-Golf: Die iranische Revolutionsgarde (IRGC) berichtete von der Zerstörung dreier Öltanker, die auf unautorisierten Routen unterwegs waren. Der Transit zwischen dem Persischen und dem Golf von Oman bleibt stark eingeschränkt, indem einige Routen vermint sind.
- Angriffe auf Militärstandorte: Iran führte Raketenangriffe auf amerikanische Militärbasen in der Region durch, während die USA und Saudi-Arabien gemeinsame Operationen im Irak durchführten. Der Export irakischen Öls wird durch Verzögerungen bei den Lieferungen eingeschränkt.
- Umlenkung der Logistik: Saudi-Arabien leitet einen Teil der Lieferungen um, um Konfliktzonen zu umgehen — die Transporte durch den Suezkanal sind deutlich gestiegen, während die Houthi-Rebellen der Schifffahrt im Bab-el-Mandeb gefährden.
Eine Reihe von Analysten schließt eine Bewegung von Brent auf 100 US-Dollar pro Barrel im Falle einer weiteren Eskalation nicht aus. Dämpfende Faktoren bleiben ein verlangsamter weltweiter Ölbedarf, ein starker US-Dollar und Verkäufe an asiatischen Börsen.
OPEC+: Die "Sieben" beendet die Wiederherstellung der Produktion
Das OPEC+-Bündnis in neuer Konstellation — ohne die im Mai ausgetretenen Vereinigten Arabischen Emirate — setzt die Strategie einer sanften Angebotsausweitung fort. Im August wurden die Quoten der "Sieben" (Saudi-Arabien, Russland, Irak, Kuwait, Kasachstan, Algerien, Oman) um 188.000 Barrel pro Tag erhöht, sodass die Gesamtzielmarke 36 Millionen Barrel pro Tag erreicht. Bei der Sitzung am 2. August wird die Genehmigung des letzten Schrittes erwartet — weitere 188.000 Barrel pro Tag für September, was das Paket freiwilliger Beschränkungen von 1,65 Millionen Barrel pro Tag vollständig auslaufen lassen würde. Von Februar bis August stieg die Gesamtkontingent um etwa 940.000 Barrel pro Tag. Dabei bleibt die tatsächliche Produktion mehrerer Teilnehmer aufgrund des Konflikts im Nahen Osten deutlich hinter den genehmigten Niveaus zurück, was die Auswirkungen der Quotensteigerungen auf das Marktgleichgewicht abschwächt.
Gasmarkt: TTF erreicht Höchststände seit März, Europas Gasspeicher sind nur zu 55% gefüllt
Der europäische Gasmarkt tritt in eine Phase erhöhter Risiken vor der Heizsaison ein. Die Preise am TTF-Hub erreichten Ende Juli 64 €/MWh (rund 750 US-Dollar pro tausend Kubikmeter) — das höchste Niveau seit Mitte März. Die wesentlichen Probleme der EU sind:
- Rekordniedrige Bestände: Die Füllstände der Gasspeicher der Europäischen Union liegen bei etwa 55,3% — das Minimum zu diesem Datum seit 2021 (vor einem Jahr waren es 76,2%, und im Jahr 2024 werden es voraussichtlich 83,7% sein).
- Verlangsamung der Einspeicherung: Die täglichen Auffüllungsraten liegen 20% unter dem Vorjahresniveau; um das Ziel von 90% bis zum Winter zu erreichen, ist eine Nettozufuhr von mindestens 68 Milliarden Kubikmetern erforderlich.
- Engpass bei LNG: Der tägliche Import von Flüssigerdgas fiel im Juli auf den niedrigsten Stand seit 22 Monaten — Asien kauft freie Mengen aufgrund der Krisensituation im Nahen Osten und der Risiken für Lieferungen aus dem Persischen Golf auf.
- Hitze und Nachfragesteigerung im Energiesektor: Extreme Temperaturen in Europa erhöhen die Erzeugung an Gaskraftwerken zur Versorgung von Klimaanlagen.
Prognosen deuten darauf hin, dass die Bestände bis zum Winter möglicherweise nicht einmal 75% erreichen, was eine Basis für hohe Preisschwankungen im vierten Quartal schafft. Unterdessen wurde in Richtung Osten ein Tagesrekord an Gasexporten durch Pipeline aus Russland nach China erzielt.