
Nachrichten des Energiesektors vom Sonntag, 7. Dezember 2025: Öl- und Gaspreise, OPEC+-Entscheidungen, Sanktionsdruck auf den russischen Energiesektor, Kraftstoffsituation in Russland, Rolle der EU, USA, China und Indien, Trends auf dem Kohlenmarkt, Erneuerbare Energien und Ölprodukte — analytische Übersicht für Investoren und Akteure des globalen Energiesektors.
Die Schlüsselereignisse im globalen Brennstoff- und Energiesektor (Energiewirtschaft) bis zum 7. Dezember 2025 zeigen, dass die Weltmärkte weiterhin zwischen einem Überangebot an Ressourcen und geopolitischen Risiken balancieren. Die Ölpreise bleiben auf einem der niedrigsten Niveaus der letzten zwei Jahre: Brent-Öl wird etwa bei 62–64 USD pro Barrel gehandelt, amerikanisches WTI liegt bei rund 59 USD. Diese Niveaus sind deutlich niedriger als die Mid-Year-Werte, da der Markt unter dem Druck eines steigenden Angebots bei relativ stabiler Nachfrage und vorsichtigem Optimismus hinsichtlich möglicher Fortschritte in den Friedensverhandlungen zur Ukraine steht. Der europäische Gasmarkt tritt in den Winter ohne Anzeichen eines Engpasses ein: Die unterirdischen Gasspeicher in der EU sind weiterhin zu etwa 75–80 % gefüllt, und die Großhandelspreise (TTF-Hub) bewegen sich bei etwa 28–30 EUR pro MWh, was erheblich unter den extremen Spitzen der Vorjahre liegt. Rekordlieferungen von LNG und milde Wetterbedingungen zu Beginn der Saison sorgen für Stabilität und relativ niedrige Preise für Gas.
In der Zwischenzeit bleibt die geopolitische Spannung rund um die Energiemärkte bestehen. Die westlichen Länder lockern den Sanktionsdruck auf den russischen Öl- und Gassektor nicht: Die Europäische Union formalisiert einen vollständigen Rückzug von den Importen von russischem Pipelinegas bis 2027 und bemüht sich, den Rückgang der Ölkäufe aus Russland zu beschleunigen. Diplomatische Bemühungen, den Konflikt zu lösen, haben bislang keine spürbaren Ergebnisse gebracht, obwohl die USA und die Ukraine Anfang Dezember Beratungen über einen Friedensplan durchgeführt haben. Die Lieferungen von Energieträgern bleiben aufgrund möglicher militärischer Zwischenfälle unter Druck, doch der globale Markt kann bisher lokale Störungen ausgleichen. Innerhalb Russlands verlängern die Behörden die Notmaßnahmen zur Stabilisierung des Kraftstoffmarktes nach dem Benzin- und Dieselmangel im Herbst; der Export von Ölprodukten bleibt streng begrenzt, um den inländischen Markt zu sättigen. Gleichzeitig beschleunigt die globale Energiepolitik den „grünen“ Übergang: Die Investitionen in erneuerbare Energien erreichen neue Rekordhöhen und führende Volkswirtschaften verkünden ehrgeizige Pläne zur Reduzierung der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen.
Ölmarkt: Preise auf Zwei-Jahres-Tiefstständen aufgrund von Überangebot und Hoffnungen auf Frieden
- Globales Angebot: Der globale Ölmarkt bleibt überversorgt. Die Länder der OPEC+ und andere Produzenten fördern insgesamt mehr Öl, als der Markt bei den aktuellen Nachfragen verbraucht. Die kommerziellen Rohölbestände in wichtigen Regionen liegen auf hohem Niveau, was den Abwärtsdruck auf die Preise verstärkt.
- Entscheidungen der OPEC+: Das Kartell und seine Verbündeten zeigen Vorsicht. Auf dem letzten Treffen einigten sich die führenden Mitglieder der OPEC+ darauf, die Produktionsquoten für das erste Quartal 2026 auf dem Niveau von Dezember 2025 zu halten, wodurch die aktuellen Beschränkungen faktisch verlängert werden. Bei Bedarf ist die Koalition bereit, die Produktion kurzfristig anzupassen: Ein Überangebot von etwa 1,65 Millionen Barrel pro Tag kann schrittweise zurück auf den Markt gebracht werden, wenn die Bedingungen das erfordern.
- USA auf Höchststand: Die Ölproduktion in den Vereinigten Staaten erreicht nahezu Rekordniveau. Trotz eines Rückgangs der aktiven Bohranlagen ermöglichten technologische Effizienzgewinne bis Mitte 2025 neue Höchstwerte zu erreichen (in den kontinentalen Bundesstaaten überschritt die Produktion 11 Millionen Barrel pro Tag). Der hohe Produktionsstand in den USA trägt bedeutende Volumen zum Markt bei und kompensiert teilweise die Kürzungen der OPEC+.
- Lokale Störungen: Jüngste Vorfälle hatten nur kurzzeitige Auswirkungen auf den Export. Anfang Dezember beschädigten ukrainische Drohnen einen der Terminals der KTK am Schwarzen Meer, über den der Export von kasachischem Öl läuft, jedoch wurden die Lkw schnell über den Backup-Termin wieder aufgenommen. Darüber hinaus wurden die größten Rohöltanks in Libyen am 5.-6. Dezember aufgrund von Sturm vorübergehend geschlossen. Diese Ereignisse führten nicht zu einem Preissprung — der Markt kann kurzfristige Unterbrechungen angesichts des aktuellen Gleichgewichts von Angebot und Nachfrage verkraften.
- Preisleitlinien: Brent hält sich in einer engen Spanne von 62–64 USD pro Barrel (über 20 % unter den Niveaus zu Beginn des Herbstes). Investoren erwarten, dass die Preise in naher Zukunft moderat bleiben werden: es gibt keine Anzeichen für eine plötzliche Nachfragebelebung, während eine Lockerung der Geldpolitik in den USA die Rohstoffmärkte nur moderat unterstützt. Gleichzeitig könnte jeder neue geopolitische Schock (Eskalation des Konflikts oder ernsthafte Produktionsunterbrechungen) zu einem kurzfristigen Preisanstieg führen.
Gasmarkt: Europa tritt mit komfortablen Beständen und niedrigen Preisen in den Winter ein
- Hoher Füllstand der Gasspeicher: Zu Beginn Dezember sind die europäischen Gasspeicher zu etwa ¾ (75-80 %) gefüllt. Die Bestände sinken allmählich mit Einsetzen der Kälte, übersteigen jedoch weiterhin die Durchschnittswerte für diesen Zeitraum bei weitem. Der geschaffene Puffer reduziert erheblich das Risiko eines Gasengpasses in der Hochwinterphase.
- Rekord-Importe von LNG: Die Lieferungen von verflüssigtem Erdgas nach Europa bleiben auf historisch hohem Niveau. Die nachlassende Nachfrage nach LNG in Asien hat zusätzliche Volumina für den europäischen Markt freigesetzt, wobei teilweise die unterbrochenen Pipeline-Lieferungen aus Russland kompensiert werden. Besonders hervorzuheben sind die USA, die ihre LNG-Exporte gesteigert haben und zu einem wichtigen externen Gaslieferanten für die EU geworden sind, während die Nachfrage wächst.
- Diversifikation der Quellen: Die europäischen Länder stärken die Energiesicherheit durch alternative Lieferanten. Die Gasankäufe aus Norwegen, Algerien, Katar, Nigeria und anderen Regionen wurden erhöht. Neue Infrastrukturen – von LNG-Terminals bis zu internationalen Interkonnektoren – arbeiten bei voller Auslastung und gewährleisten einen stabilen Fluss von Brennstoffen aus verschiedenen Teilen der Welt.
- Niedrige Preise: Die Großhandelspreise für Gas in der EU liegen zurzeit erheblich unter den Spitzenwerten des Jahres 2022. Der niederländische TTF-Index bleibt unter 30 EUR pro MWh (ca. 330 USD pro tausend m³) und hat nun bereits die dritte Woche in Folge einen langsamen Rückgang fortgesetzt. Trotz saisonaler Anstiege der Nachfrage und gelegentlicher Rückgänge in der Stromerzeugung durch erneuerbare Energien bleibt der Markt aufgrund des Überangebots im Gleichgewicht. Neuerliche Preisschübe wurden bislang vermieden.
Russischer Markt: Kraftstoffmangel und Verlängerung der Exportbeschränkungen
- Exportverbot für Benzin: Die russische Regierung verhängte Ende August ein vorübergehendes komplettes Exportverbot für Automobilbenzin durch alle Produzenten und Händler (außer für minimale Lieferungen im Rahmen zwischenstaatlicher Vereinbarungen). Die Maßnahme war ursprünglich bis Oktober gedacht, doch die Kraftstoffkrise im Herbst erforderte eine Verlängerung: Das Verbot bleibt faktisch bis zum Ende des Jahres bestehen, um die Versorgung des Binnenmarktes mit Benzin zu maximieren.
- Beschränkungen für Diesel: Gleichzeitig wurde das Verbot für den Export von Dieselkraftstoff für unabhängige Händler bis Ende 2025 verlängert. Ölfirmen mit eigenen Raffinerien dürfen unter bestimmten eingeschränkten Bedingungen Diesel exportieren, um die Verarbeitung wegen überfüllter Tanks nicht zu stoppen. Diese Maßnahmen sollen eine Wiederholung des Kraftstoffmangels auf dem Binnenmarkt verhindern, die im Herbst einen Anstieg der Großhandelspreise verursacht hatte.
- Stabilisierung im Inland: Dank der ergriffenen Maßnahmen hat sich die Situation an den Tankstellen erheblich verbessert. Die Preise für Benzin und Diesel im Land sind von den Höchstständen im September zurückgegangen und stabilisieren sich unter staatlicher Kontrolle. Es werden auch langfristige Regulierungsmechanismen in Betracht gezogen – Anpassung des Dämpfers, subventionierte Kredite für unabhängige Tankstellen, Änderungen der Steuerlast – um zukünftige Versorgungsunterbrechungen zu vermeiden.
- Produktion und Umleitung des Exports: Die russische Ölproduktion lag Ende 2025 bei rund 9,5 Millionen Barrel pro Tag, was den Quoten der OPEC+ entspricht. Gleichzeitig wurde der Ölexport von der europäischen Richtung in den asiatischen umgeleitet: Käufer aus Indien, China und anderen asiatischen Ländern kaufen russisches Öl mit einem Rabatt auf die Weltmarktpreise. Im Gassektor ist der Export von Pipelinegas nach Europa auf Minimumwerte gesunken, während die Lieferungen nach China über die „Sila Sibir“ Pipeline auf einen beispiellosen Stand gestiegen sind und teilweise verlorene Märkte kompensieren.
Sanktionen und Politik: Erhöhung des Drucks des Westens bei Dialogversuchen
- Langfristige Einschränkungen der EU: Brüssel festigt den gesetzlichen Rückzug von russischen Energieressourcen. Am 4. Dezember genehmigten die Institutionen der Europäischen Union eine Verordnung, nach der der Import von russischem Pipelinegas bis zum 1. November 2027 vollständig eingestellt werden muss. Gleichzeitig beabsichtigen die EU-Staaten, den Rückgang der verbleibenden russischen Öl- und Ölproduktkäufe zu beschleunigen, trotz möglicher Kosten für ihre Raffinerien.
- Maßnahmen der G7: Die Gruppe der sieben und deren Verbündete halten den strengen Sanktionsdruck gegen den russischen Energiesektor aufrecht. Es gilt eine Preisobergrenze für russisches Öl sowie ein Embargo für viele Arten von Ölprodukten. Finanzielle Beschränkungen erschweren Transaktionen und die Versicherung von Geschäften mit russischem Öl und Gas. Während einige asiatische Importeure ihre Käufe aus Russland weiterhin steigern, um die Beschränkungen zu umgehen, sendet der kollektive Westen keine Signale bezüglich einer Bereitschaft zur Lockerung des Sanktionsregimes, solange der Konflikt nicht beigelegt ist.
- Diplomatie und Verhandlungen: In der vergangenen Woche haben die USA und die Ukraine mehrere Runden von Gesprächen zur friedlichen Beilegung durchgeführt, um einen Rahmen für ein potenzielles Abkommen zu erarbeiten. Diese Kontakte erzeugten vorsichtigen Optimismus bezüglich der Aussichten für den Beginn eines Friedensprozesses. Russland nimmt jedoch nicht an diesen Verhandlungen teil, und die Kämpfe setzen sich ohne nennenswerte Intensitätsabnahme fort. Konkrete Grundlagen für eine Aufhebung der Sanktionen oder eine Entspannung der geopolitischen Spannungen sind derzeit nicht in Sicht.
- Marktrisiken: Die Lage bleibt angespannt. Angriffe auf die Energieinfrastruktur im Rahmen des Konflikts dauern an: Angriffe auf Öltankstellen, Gasanlagen und Stromnetze erhöhen die Unsicherheit. Jede Eskalation, die Exportrouten betrifft (z. B. Transit von Öl über das Schwarze Meer oder die restlichen Gaslieferungen über die Ukraine), könnte die Märkte destabilisieren. Dennoch zeigt das globale Energiesystem bislang Widerstandsfähigkeit gegenüber lokalen Störungen, und die Marktteilnehmer hoffen, eine direkte Konfrontation zwischen der NATO und Russland, die einen globalen Energieschock auslösen könnte, zu vermeiden.
Asien: Indien und China stärken die Energieversorgungssicherheit
- Indiens Position: Unter Druck des Westens hat Neu-Delhi die Importe von russischem Öl Ende des Herbstes vorübergehend reduziert, bleibt jedoch insgesamt einer der größten Abnehmer Moskaus. Indische Raffinerien verarbeiten aktiv das verfügbare, vergünstigte Öl der Marke Urals, um den Binnenbedarf an Brennstoffen zu decken. Überschüssige Mengen an Ölprodukten exportieren indische Unternehmen, unter anderem auf die Märkte Europas, und bringen damit russische Barrel nach der Verarbeitung zu den Endverbrauchern.
- Chinas Strategie: Trotz der wirtschaftlichen Verlangsamung behält Peking eine Schlüsselrolle auf dem globalen Energiemarkt. Chinesische Importeure diversifizieren ihre Zulieferkanäle: Neue langfristige Verträge über den LNG-Einkauf wurden mit Katar, den USA und anderen Ländern abgeschlossen; die Lieferungen von Pipelinegas aus Russland wurden erhöht (die Volumina über die „Sila Sibir“ Pipeline erreichten diesen Herbst Rekordwerte). Gleichzeitig baut China strategische Ölreserven aus und fördert die Erhöhung der eigenen Produktion, um die Abhängigkeit von externen Quellen zu verringern.
- Steigende Nachfrage: Die Schwellenländer in Asien erhöhen weiterhin ihren Verbrauch an Energieressourcen. Im Jahr 2025 wuchs die regionale Nachfrage nach Öl und Erdgas, obwohl sich die Wachstumsraten aufgrund der hohen Preise des letzten Jahres und eines moderateren BIP-Wachstums etwas verlangsamten. Indien zeigt einen stabilen Anstieg des Verbrauchs an Brennstoffen (Benzin, Diesel) mit einer wachsenden Anzahl von Fahrzeugen und der Industrie. China konzentriert sich auf die Gasifizierung und Elektrifizierung der Wirtschaft, was die hohe Nachfrage nach Erdgas und Elektrizität stützt. Das langfristige Ziel beider Länder ist es, den Energieverbrauch zu decken, ohne die ökologischen Ziele zu gefährden; daher steigen parallel die Kapazitäten der erneuerbaren Energien in beschleunigtem Tempo.
Erneuerbare Energien: Rekordinvestitionen mit Unterstützung der Staaten
- Rekordwachstum: Das Jahr 2025 wurde ein weiteres Rekordjahr für die Investitionen in erneuerbare Energien. Schätzungen von Analysten zeigen, dass die globalen Investitionen in „grüne“ Energie die 1 Billion USD überstiegen, was die Kapitalanlagen in fossile Brennstoffe übertrifft. Die Kapazitäten von erneuerbaren Energien wachsen in nie dagewesenem Tempo: Weltweit wurden im vergangenen Jahr über 300 GW neuer Solar- und Windkraftwerke in Betrieb genommen, was die Vorjahreswerte übertrifft.
- Klimapolitik: Auf dem Klimagipfel COP30, der im November in Brasilien stattfand, bekräftigte die Weltgemeinschaft ihr Engagement für den beschleunigten Energiesystemübergang. Die Länder einigten sich darauf, das Ziel der dreifachen Erhöhung der installierten Kapazität erneuerbarer Energien bis 2030 anzustreben und definierten eine Zielmarke für die jährliche Finanzierung von Klimainitiativen in Höhe von 1,3 Billionen USD. Viele Staaten und Unternehmen legten neue Ziele zur Senkung von Emissionen und zum Ausbau des Anteils sauberer Energie fest, untermauert durch Subventionen und steuerliche Anreize.
- Neue Projekte: Überall werden massive Projekte zur Nutzung sauberer Energie realisiert. In Europa wurden neue Offshore-Windparks in Betrieb genommen. In China und Indien entstehen riesige Solarkraftwerke, während im Nahen Osten die ersten Wasserstoff-Hubs auf Grundlage von Sonnen- und Windenergie gestartet werden. Der Boom bei Energiespeichersystemen setzt sich fort: In vielen Ländern werden große Batteriesysteme zur Glättung der Unregelmäßigkeit der Erzeugung erneuerbarer Energien in Betrieb genommen. Trotz wirtschaftlicher Herausforderungen bleibt das Interesse der Investoren am „grünen“ Sektor hoch, in der Erwartung langfristiger Erträge aus emissionsarmen Projekten.
Kohlesektor: Hohe Nachfrage stützt den Markt, aber der Höhepunkt ist überschritten
- Asiatische Nachfrage: China, Indien und die Länder Südostasiens bleiben die größten Kohleverbraucher. Im Jahr 2025 bleibt der weltweite Kohleverbrauch dank dieser Regionen nahe dem historischen Maximum, wo Kohle nach wie vor dominiert in der elektrischen Erzeugung. Die sich entwickelnden Volkswirtschaften eilen nicht, auf günstige Kohle zu verzichten, insbesondere angesichts des Anstiegs der Energiebedarfe, indem sie dieselbe zur Deckung der Basislast der Energiesysteme verwenden.
- Anzeichen einer Plateauphase: Trotz hoher Nachfragen verlangsamt sich das Marktwachstum der Kohle. Analysten berichten, dass der globale Kohleverbrauch wahrscheinlich ein Plateau erreicht hat und in den kommenden Jahren zurückgehen wird, wenn neue Kapazitäten für erneuerbare Energien und Gaskraftwerke nutzbar gemacht werden. In mehreren Ländern wird bereits ein Rückgang der Kohlenstromerzeugung festgestellt: In den USA und Europa werden weiterhin Kohlekraftwerke stillgelegt, und in China werden die Pläne für den Bau neuer Kohlenminen und -anlagen im Rahmen der erklärten Klimaneutralitätsziele reduziert.
- Preise: Die Weltmarktpreise für Kohle haben sich nach den turbulenten Anstiegen im Jahr 2022 stabilisiert. Der Basisindex für Energiekohle (ARA, Europa) liegt bei etwa 95–100 USD pro Tonne, deutlich unter den Höchstwerten des Vorjahres. Auch in Asien sind die Preise aufgrund verbesserter Logistik und eines ansteigenden Angebots von führenden Exporteuren (Australien, Indonesien, Russland) gesunken. In der weiteren Zukunft sind keine wesentlichen Preisanstiege zu erwarten, es sei denn, es kommt zu einem extrem kalten Winter oder anderen unvorhergesehenen Ereignissen.
- Druck durch den Energiewandel: Die Kohleindustrie spürt zunehmenden Druck durch Umweltauflagen. Internationale Banken und Fonds weigern sich zunehmend, Kohleprojekte zu finanzieren, während Investoren von den Unternehmen Strategien zur Reduzierung des Ausstoßes fordern. Sogar Länder, die stark von Kohle abhängig sind, machen Pläne zum schrittweisen Rückgang des Anteils der Kohleverstromung bis in die 2030er Jahre. All dies deutet darauf hin, dass der globale „Kohle-Gipfel“ nahe ist oder bereits überschritten wurde und die Rolle von Kohle langfristig allmählich abnehmen wird.
Erdölprodukte und Raffinerien: Diesel-Nachfrage wächst, Benzin stagniert
- Steigende Nachfrage nach Destillaten: Der globale Verbrauch an destillierten Brennstoffen — insbesondere Diesel und Kerosin — nimmt weiterhin zu. Der weltweite Luftverkehr hat sich praktisch wieder auf die Vor-Krisen-Volumina erholt, was den Anstieg der Nachfrage nach Kerosin anregt. Dieselöl bleibt das Rückgrat des Transports und der Industrie: Die Erweiterung von Logistik, Landwirtschaft und Bau in den sich entwickelnden Ländern unterstützt die hohe Nachfrage nach Diesel. Raffinerien in vielen Regionen erhöhen den Dieselanteil in den Produktionsleistungen, um von der günstigen Marktsituation zu profitieren.
- Benzin: Der Verbrauch von Automobilbenzin in entwickelten Ländern hat seinen Höhepunkt erreicht und beginnt zu sinken. Verbesserungen der Kraftstoffeffizienz von Fahrzeugen, der Anstieg der Verkäufe von Hybrid- und Elektrofahrzeugen sowie Umweltauflagen in Städten verringern die Nachfrage nach Benzin in Europa und Nordamerika. In Schwellenländern (Asien, Afrika, Lateinamerika) wächst der Benzinkonsum hingegen weiter, während die Anzahl der Fahrzeuge steigt. Global gesehen befindet sich der Benzinmarkt in einem Zustand der Stagnation, was Raffinerien zwingt, sich neuen Realitäten anzupassen.
- Anpassung der Raffinerie: Die Raffineriebranche passt sich den strukturellen Veränderungen der Nachfrage an. Neue High-Tech-Raffinerien in Asien und im Nahen Osten richten sich auf die Produktion gefragter Produkte — Diesel, Kerosin, Nafta für die Petrochemie. Gleichzeitig werden in den OECD-Ländern alte Anlagen, die unter niedrigen Margen und strengen Umweltanforderungen leiden, weiter stillgelegt. Im Jahr 2025 ist das globale Raffinerievolumen leicht gestiegen im Vergleich zum Vorjahr, jedoch konzentrieren sich die Investitionen hauptsächlich in Regionen mit zunehmender Nachfrage, während sich in Europa und den USA die branchenbezogenen Investitionen in Richtung Biokraftstoff- und petrochemische Produktionen verschieben.
Unternehmen und Investitionen: Konsolidierung der Branche und Diversifizierung der Projekte
- Russische Akteure: Energieunternehmen Russlands passen sich den Sanktionen an und setzen auf interne Ressourcen für ihre Entwicklung. Gazprom Neft plant die Platzierung von Rubel-Anleihen im Volumen von bis zu 20 Milliarden Rubel mit einem variablen Zinssatz, der an den Hauptsatz der Zentralbank gebunden ist, um in einer Situation von geschlossenen internationalen Kapitalmärkten Finanzierung zu erhalten. Rosneft fördert das Megaprojekt „Vostok Oil“ in der Arktis und baut eine Infrastruktur zur Erschließung riesiger Felder in Tajmyr; es wird erwartet, dass dieses Projekt bis zum Ende des Jahrzehnts die Ölförderung erheblich steigern wird.
- Strategien der Majors: Westliche Öl- und Gasriesen (ExxonMobil, Chevron, Shell, BP usw.) behalten eine kostenbewusste Vorgehensweise angesichts der niedrigen Preise bei. Sie konzentrieren sich auf Projekte mit maximalem Ertrag und begrenzen die Steigerung der Investitionsausgaben, indem sie der Aktionärswert priorisieren — sie zahlen stabile Dividenden und tätigen Aktienrückkäufe. Die Konsolidierung geht weiter: In den USA wurden in den letzten zwei Jahren bedeutende Fusionen abgeschlossen (ExxonMobil übernahm das Schieferölunternehmen Pioneer Natural Resources, Chevron übernahm die Hess Corporation), die die Positionen der Supermajors und deren Ressourcenbasis gestärkt haben.
- Nahe Osten und neue Richtungen: Staatliche Unternehmen des Golfraums investieren aktiv sowohl in den traditionellen Öl- und Gassektor als auch in neue Sektoren. Saudi Aramco, ADNOC, QatarEnergy erweitern die Produktion von Öl und Gas, bauen Raffinerien und petrochemische Komplexe und finanzieren gleichzeitig Projekte im Bereich Wasserstoff, CO₂-Abscheidung und erneuerbarer Energien. Ölexporteure diversifizieren somit ihre Geschäftsmodelle und bereiten sich auf den schrittweisen Übergang der Weltwirtschaft zu kohlenstoffarmen Energiequellen vor. Insgesamt zeigten die globalen Investitionen in Öl- und Gaserkundung und -produktion im Jahr 2025 ein moderates Wachstum im Vergleich zu den Tiefstständen der vergangenen Jahre — dies spiegelt den vorsichtigen Optimismus der Branche hinsichtlich der künftigen Nachfrage nach Kohlenwasserstoffen wider.